Gunther - rÖno4 Fan aus Leopoldsdorf

18.07.2017 20:04

Mein R4 und ich

Das ist eine lange Geschichte, und wird hoffentlich eine "never ending
story". 1972 kauften sich meine Eltern als erstes Auto überhaupt einen himmelblauen R4 TL.

Da sie keine Fahrpraxis hatten machten wir oft kleinere Ausflüge in die nähere Umgebung, bevor wir uns mit Sack und Pack an größere Urlaubsreisen wagten. Heutzutage kaum noch vorstellbar, wir überholten LKW auf der Autobahn, die damals tatsächlich noch 80 km/h fuhren. Auf der Großglockner Hochalpenstraße hängten wir locker die Merzedes mit Heckantrieb und kochenden Kühlern ab, und kamen auch sonst auf jeden Berg hinauf. Wir machten Urlaube quer durch ganz Österreich, der R4 war immer ein braver Lastesel.1978 kam der Luxus in Form eines roten GTL, dessen Fahrleistungen meinem Bruder öfters den Ausruf entlockten, mein Vater solle nicht so rasen (120 km/h). 1987 bekam ich den R4 geschenkt, nachdem, ich meinen Führerschein gemacht hatte, und prompt 4 Monate später versenkte ich ihn in der Kühlerhaube eines VW Santana (....ich fuhr allerdings noch mit eigener Kraft heim, er nicht) .

Durch das schlechte Gewissen, unsere brave Familienkutsche gemordet zu haben, begann bei mir der Kultstatus des R4 zu keimen. Also ein "neuer" musste her, um meinen Seelenfrieden wieder zu finden. Ich fand an einer Tankstelle auch das gesuchte, einen 78er TL mit Faltdach und 120.000 km. Kostenpunkt damals 1.000 öS, heute bei 800 Euro. Wunderschön in gelb und Chrom, Vorbesitzer war Polizist, also eine Mezie, oder? 

Nun, nach Aufschleifen der ersten Rostblasen fiel ich mit der Flex gleich halb durch das Auto, Ergebnis: "Wie besichtigt und probegefahren" einen Schweizer Käse mit viel Rost und Kitt darüber erworben. 

Damit begannen 20 Jahre Obsession: Rostschleifen, Schweißen, Kitten, dubiose Werkstätten auf dem Lande aufsuchen, um die TÜV Plakette zu bekommen, Schlachten von anderen R4 um die unmöglichsten Ersatzteile zu bekommen, Lackieren mit Pinsel oder Elektrospritze etc. Das Auto wurde ganzjährig gefahren, 

als Student hatte ich wenig Geld für Restaurationen, später brauchte ich es für Familie, Hausbauen etc.. Es wurden einfach der Reihe nach alle Löcher zugeschweißt, bis sie nach ein paar Jahren wieder aufbrachen. Der Zustand meines "Postkastls" schwankte über die Jahre von Rostlaube..... bis passabel,

...bis passabel,

zu einem gepflegten Oldtimer brachte er es nie. Dafür bekam er einen Drehzahlmesser, Heckscheibenwischer, Autoradio, Innenkotflügel aus 2mm Alublech, Alu-Kühlergrill und die Vordersitze eines Opel Admiral, die vermisse ich heute noch. Ingo Heitel prägte das Wort von der "abgeliebten Grotte", das war meiner.
Von der Hochzeit

über Bälle, Sonntagsausflüge, Fototouren,...

....Zugverfolgungen....

3 Unfälle, alle meine Freundinnen bei Tag und Nacht, mein R4 und ich hatten das Leben gemeinsam gelebt, er war ein Teil von mir. Schließlich übte auch noch meine Tochter in ihm Autofahren!

2006 kam der Anfang vom Ende. Die Grundsubstanz war derartig schlecht, daß nur noch eine Generalsanierung die Rettung bringen konnte. Über Vermittlung eines Bekannten gab ich das Auto in eine Renault-Werkstatt in Normähren. Dort wurde das Auto erst einmal zerlegt. Der erste Schock war die Frage des Mechanikers, ob der R4 ein Unfallwagen sei, er habe unterschiedliche Radstände links und rechts.....Der Todesstoß war dann das Sandstrahlen mit: Eisenschrot. Kein Teil blieb gerade, die dünneren Bleche wurden glatt durchschlagen, es war nichts mehr über.Schweigeminute in tiefer Trauer. Nach langen Streitereien bekam ich einige Ersatzteile zurück, darunter auch den Rahmen vom Faltdach. Doch das R4-Leben mußte weitergehen, noch dazu wo ich inzwischen das Auto auswendig kannte und ein übervolles Ersatzteillager hatte. Trotz völligem Unverständnis aller Bekannten, von wegen "kauf Dir doch ein anständiges Auto", erstand ich im
Frühling 2007 wieder einen R4, und zwar einen 78er TL in gelb und Chrom. 

Bis auf das Fetzendach genau wie mein alter Wagen, Kostenpunkt 1.500 Euro bei 62.000 km und recht guter Substanz. Der bekam erst einmal ein gültiges Pickerl, und im Winter 2007/08 wurde er bei mir im Ort saniert, unter Verwendung möglichst vieler Teile meines alten R4.  Wobei es von Vorteil war, daß es in Leopoldsdorf den genau leichen R4 zum Detailstudium gab.

Und das war in mehreren Fällen bei der richtigen Anordnung von Teilen erforderlich.

Und dann ging es los mit dem Oldtimerleben :-)

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